Stellen Sie sich ein Unternehmen vor: 38 Mitarbeitende, Softwareentwicklung für die Logistikbranche, 6 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Inhaberin hat NIS2 im Radio gehört und ist unsicher, ob sie handeln muss. Klassischerweise würde jetzt ein Beratergespräch für 150 bis 250 Euro pro Stunde folgen. Tatsächlich lässt sich die Frage in wenigen Minuten strukturiert beantworten – wenn man weiß, worauf es ankommt.

Schritt 1: Sektor prüfen, nicht nur die Branche

Der erste Reflex ist oft "Wir sind kein Kraftwerk, also sind wir nicht gemeint." Das greift zu kurz. NIS2 unterscheidet zwischen "wesentlichen" und "wichtigen" Einrichtungen über 18 Sektoren hinweg – darunter auch digitale Infrastruktur, verarbeitendes Gewerbe und sogar Teile der Logistikbranche. Im Beispiel: Softwareentwicklung für Logistik fällt nicht automatisch in einen NIS2-Sektor, es sei denn, das Unternehmen betreibt selbst kritische digitale Dienste (z. B. eine Cloud-Plattform, auf der andere Unternehmen ihre eigene Logistik abwickeln). Genau hier entscheidet sich die Frage – nicht am Wort "Software" allein.

Schritt 2: Schwellenwerte gegenrechnen

Mit 38 Mitarbeitenden liegt das Beispielunternehmen unter der 50-Personen-Schwelle für die Kategorie "wichtige Einrichtung". Mit 6 Millionen Euro Umsatz liegt es auch unter den 10 Millionen Euro Bilanzsumme/Umsatz-Schwelle. Wären beide Werte höher, wäre die nächste Frage: Sektor ja oder nein – und erst dann direkte Pflicht ja oder nein.

Schritt 3: Die Frage, die zuerst übersehen wird

Selbst wenn die direkte Antwort "nein" lautet, bleibt die zweite Frage offen: Für wen arbeitet das Unternehmen? Beliefert es NIS2-pflichtige Kunden, landet die Anforderung über Sicherheitsfragebögen im Posteingang – unabhängig von der eigenen Unternehmensgröße. Im Beispiel: Wenn zu den Kunden ein großer, NIS2-pflichtiger Logistikkonzern gehört, ist ein Lieferketten-Fragebogen wahrscheinlicher als ein Bußgeldbescheid.

Der eigentliche Wert des Checks: Nicht die Ja/Nein-Antwort allein, sondern die Begründung dahinter – damit Sie im Kundengespräch oder bei einer Anfrage der Aufsichtsbehörde nicht raten, sondern nachvollziehbar argumentieren können.

Warum ein automatisierter Check hier tatsächlich hilft

Der entscheidende Unterschied zu einem Beratergespräch ist nicht Geschwindigkeit allein, sondern Nachvollziehbarkeit: Ein guter Check dokumentiert, welche Antworten zu welchem Ergebnis geführt haben, und speichert das für spätere Nachfragen. Wenn sich Ihr Umsatz oder Ihre Mitarbeiterzahl im nächsten Jahr ändert, lässt sich die Einschätzung mit denselben Kriterien einfach wiederholen – ohne erneut Geld für ein Gespräch auszugeben, das im Kern dieselben zwei Fragen beantwortet.

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